Öl auf Leinwand
2019 habe ich ein Atelierstipendium in der Cité Internationale des Arts in Paris. Ich ziehe mit meinem Skizzenbuch durch die Strassen - das Atelier ist Ausgangs- und zugleich Rückzugsort, um das Erlebte zu reflektieren und bildnerisch umzusetzen.
Paris im Frühjahr 2019 eine Stadt, in der die Verunsicherung und Angst der Menschen als verloren gegangener Teil einer globalisierten Welt offen zu Tage tritt. Sie streifen sich die gelbe Weste über, kommen überall aus ganz Frankreich, ziehen durch die Strassen, fordern Gerechtigkeit zwischen Arm und Reich - unermüdlich, jeden Samstag. Obdachlose suchen Unterschlupf auf den Strassen von Paris. Auch die koloniale Vergangenheit Frankreichs fordert ihren Tribut. Menschen aus Afrika versuchen in der Kapitale irgendwie zu überleben; an der Porte de la Chapelle sind Flüchtlinge gestrandet und übernachten in Zelten unter der Autobahn. Der Autoverkehr rollt oder steckt fest ohne Ende, die Luft steht. Tausende von Touristen, die das Paris des 19.Jahrhunderts erleben wollen, fluten die Stadt und ihre Museen. Die Notre-Dame steht in Flammen, die Handys filmen. Polizei und Militär überall, versuchen Normalität und Sicherheit des Staates zu signalisieren.
Paris im Frühjahr 2019 pulsiert, vibriert, tanzt eine Atmosphäre von Zerrissenheit, Angst, Wut aber auch Lebensfreude, Aufbruch und Energie. Paris brennt - il y a le feu! (aus meinem Tagebuch, Juni 2019)



