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Sieglinde Wittwer-Thomas
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SIEGLINDE WITTWER – MALEREI, ZEICHNUNGEN, RADIERUNGEN, SKULPTUREN
BOLLAG GALLERIES 10. JUNI BIS 23. JULI 2011

VON VALÉRIE ARATO

Sieglinde Wittwers Kunst zielt nicht darauf ab, uns in andere Welten zu entführen. Ganz im Gegenteil, wenn wir ihre Werke betrachten, sind wir mitten im Alltag, im Leben. Es sind weder bequeme noch fantastische oder rein ästhetische Themen, die Wittwer interessieren. Im Zentrum ihrer Arbeit steht der Mensch. Ob in grossformatigen Ölbildern, in überlebensgrossen Skulpturen oder in präzis ausgeführten Zeichnungen und Radierungen zeigt Sieglinde Wittwer nichts anderes als Realität.

„Nicht Aktion, nicht Ereignis. Das Werk von Sieglinde Wittwer-Thomas könnte als Kunst der Nach-denklichkeit bezeichnet werden. Jede ihrer Arbeiten und Zyklen setzt ein Nachdenken über den Men-schen und seine Existenz in Gang. Mit ihrer vordergründig unspektakulären, im Innersten aber äusserst beunruhigenden Thematik schafft die Künstlerin die Voraussetzungen für das Verarbeiten von Realität – auch indem sie dem Betrachter den Raum und die Zeit bereitstellt. Ihn an den Punkt führt, wo Nachdenken möglich ist“, schreibt der Kulturschaffende Ulrich Suter über Sieglinde Wittwers Kunst.

Viele ihrer Arbeiten thematisieren die Idee des Wartens, was für Wittwer gleichbedeutend sein kann mit Dulden oder Resignation. In anderen Bildern beschäftigt sie sich mit dem Alter: „Es ist der Versuch, die Einsamkeit alter Menschen fühlbar zu machen. Es geht mir auch um die Darstellung der Distanz zwischen einem Leben in den Erinnerungen und der Realität“, sagt Wittwer. Sehr sensibel, aber niemals beschönigend nähert sich Sieglinde Wittwer ihren Motiven. Sie streift durch die Strassen der Stadt und nimmt die Menschen wahr, die am Rande unserer Gesellschaft leben, zum Beispiel in den Pariser Banlieues.

Das Thema „fremd sein“ zieht sich sich wie ein roter Faden durch Wittwers Werk. Hier interessiert sie die Frage nach der Entwurzelung eines Menschen ebenso wie die Entschiedenheit, mit dem er sein Anderssein zeigt. Der Immigrant, der sich als Strassenverkäufer durchschlägt, die Obdachlose, die sich in ihre Jacke gehüllt gegen die Kälte schützt, der alte Mann auf der Parkbank; sie alle bewegen sich auf dem schmalen Grat zwischen der Bewahrung ihres Stolzes und der Hoffnung, nicht den Boden unter den Füssen zu verlieren. Sieglinde Wittwer vermag es, genau dieses Dilemma in den Gesichtern und der Körperhaltung der Porträtierten zu vermitteln.

Seit 2000 stellt Sieglinde Wittwer ihr Schaffen im In- und Ausland aus. Längere Aufenthalte im Ausland (2005/06 sechsmonatige Reise mit Aufenthalt in Kanada, New York und Kuba; 2009 viermonatiges Atelierstipendium von Visarte in der Cité Internationale des Arts, Paris) prägen die Künstlerin, die sowohl ein Studium in Kunstgeschichte als auch eine Ausbildung zur Lehrerin in Bildnerischem Gestalten absolviert hat.

2010 ist Sieglinde Wittwer nach Paris zurückgekehrt und erneut durch die Strassen gewandert. Und wieder haben sie die peripheren Zonen, die dicht bewohnten Ränder der Stadt interessiert, wo sie die Zusammenhänge von Städtebau und Lebensqualität hautnah erleben konnte. Unzählige Eindrücke hat sie in Skizzen und Fotos festgehalten und als Grundlage für ihre Bilder verwendet.
Die in der Ausstellung gezeigten Werke sind während dieses Aufenthaltes in Paris entstanden.